Geologische Voraussetzungen in Deutschland

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Geologische Voraussetzungen in Deutschland

Vom Eiszeitwind zur Trüffelknolle

Exklusivbeitrag von Susanne Brüning-Schmitz (AhrGeoTouren)

Voraussetzungen für eine besondere Eignung als Trüffelstandort

Schon in einer einschlägigen Veröffentlichung über Trüffel von 1894 heißt es: „Dass Deutschland weniger Arten als Frankreich besitze, ist bei der Mannigfaltigkeit des deutschen Klimas, Bodens etc. nicht anzunehmen…“

Das Klima, in dem niemals Trüffel gedeihen würden, schuf ausgerechnet die Voraussetzung dafür, dass in Deutschland Trüffel gedeihen. Dieses scheinbare Paradoxon lässt sich ganz leicht hier auflösen….

Abb1Dafür müssen wir einige 100.000 Jahre in die Vergangenheit marschieren, um zu erkennen, warum die Trüffel hier gedeiht.

Damals befand sich hier eine Trundrenlandschaft mit leichter Grasbedeckung wie heute in Sibirien. Es herrschten eisige Zeiten: Die Januartemperaturen erreichten durchschnittlich minus 27 Grad Celsius, im Juli lagen sie unter fünf Grad Celsius. Man kann das damalige Klima und die Vegetation in etwa mit dem Klima im arktischen Spitzbergen vergleichen. Hier beginnt eigentlich die Geschichte der Trüffel. Doch was war vorher?

Abb2Viele Millionen Jahre zuvor war das Klima tropisch, die Schieferböden, entstanden aus ehemaligen Meeresablagerungen, verwitterten tiefgründig zu den heute an vielen Stellen sichtbaren hellgrauen Verwitterungsböden.

Abb3Gegen Ende des Tertiärs kühlte es merklich ab, nach und nach entwickelte sich schon die Klimadifferenzierung mit Sommer und Winter. Doch die Klimaschwankungen wurden immer extremer, die in den Eiszeiten, wie wir sie kennen, gipfelten. Dies begann vor ca. 2 Millionen Jahren.

So entwickelte sich aus den subtropischen Wäldern eine Tundrenlandschaft mit spärlicher Grasbedeckung.

Abb4Im Norden waren Skandinavien und England durch große Gletscher zeitweise miteinander verbunden. 3 x schob sich die Gletscherfront bis nach N-Deutschland vor. Während der Saale-Eiszeit vor ca. 200.000 Jahren hätte man sogar bei Düsseldorf eine Gletscherwanderung machen können.

Im Süden waren die Alpen vergletschert.

Die Eiszeiten dauerten jeweils etwa 100.000 Jahre, die Warmzeiten nur 10.000 bis 20.000 Jahre.

Die letzte Eiszeit, die Weichsel-Eiszeit, endete bei uns vor etwa 14.000 Jahren. Der Gletscher verschwand in den nächsten 5000 Jahren. Wir befinden uns also in einer Warmzeit.

Während der Eiszeiten entstanden hier die heutigen sauren Braunerdeböden durch frostverwitternde Schiefer. Doch die sind keine guten Voraussetzungen für das Gedeihen der Trüffel. Während der Eiszeiten wurde das geschaffen, was nicht nur der Trüffel hier zum Wachstum dient, sondern auch den Anbau landwirtschaftlicher Produkte insgesamt erleichtert: der Löss.

Löss kennt jeder, doch kaum jemand weiß, was es mit diesem für Mitteleuropa so wichtigen Boden auf sich hat. Löss ist das Verbindungsglied zwischen der Eiszeit und dem Trüffel.

Wie ist er entstanden? Die Gletscher schleiften bei ihrem Vorschub nach Süden den Untergrund, die Schmelzbäche trugen das feine Material in die Gletschertäler, wo sie abgelagert wurden und dann durch die Fallwinde vor der Gletscherfront ausgeweht wurden. Sie trugen es weit bis ins Vorland der Gletschergebiete, wo es dann in Gebieten mit niedriger Vegetationsdecke, besonders in den Grassteppen, abgelagert wurde.

Es ist der Streifen zwischen den Gletschern des Skandinavischen Schildes und der Alpengletscher, wo der feine Gesteinsstaub abgelagert wurde.

Dies geschah im Spätsommer und Herbst, bevor die Erdoberfläche von Schnee bedeckt war. Damit der Löss auch liegen bleibt, sind sog. Lössfänger von Nöten, meist Gras. Ansonsten wird er wieder weggeweht. Es herrschte damals hier eine kalte und trockene Steppenvegetation, ähnlich wie heute in N-Kanada, Alaska und Spitzbergen. Während der Warmzeiten entstanden die Laubwälder, so dass die Auswehung von Löß endete und der Löß an der Bodenbildung teilnahm. An Bodenbildungshorizonten kann man die Abfolge der Kalt- und Warmzeiten heute ablesen. Löss befindet sich heute nur in Bereichen unter 300-400 m ü NN.

Löss kommt heute stellenweise in M-Europa vor, z.B. am Kaiserstuhl, wo er mit der Bildung von Hohlwegen besonders landschaftsprägend ist.

Löss hat sich z.B. auch im Ahrtal an geschützten Hängen gehalten und kommt dann mit relativ hoher Mächtigkeit vor. Löss weist im Ahrtal Mächtigkeiten bis zu ca. 10 m auf.

Inselförmige Lößablagerungen mit geringer Mächtigkeit finden sich über das gesamte Gebiet verteilt. Auch hier erkennt man den Löß an der Hohlwegbildung oder Steilhängen.

Abb6Was ist Löss eigentlich?

Löss hat eine äußerst feinkörnige, staubige Beschaffenheit und besteht aus tonig-sandigem Material. Meist sind es winzige Quarzkörnchen; daneben treten auch andere Minerale auf, u.a. Kalk (Calciumcarbonat bis zu 30%) – und das ist genau das, was die Trüffel so liebt – Kalk im Boden.

Reiner Löss ist aufgrund des feinsandigen Gehaltes sehr locker und weist damit ein großes Porenvolumen auf. Dadurch weist Löss eine gute Wasserleitfähigkeit aus ohne Staunässe zu erzeugen. Im feuchten Zustand (er kann viel Wasser aufnehmen) kann er jedoch leichter abgetragen werden und bildet dann Rinnen oder Hohlwege.

Durch vorübergehende Lösung und erneute Ausfällung von Calciumcarbonat werden einzelne Staubkörnchen umhüllt und verkittet. Dies bewirkt die hohe Stabilität mächtiger Lößschichten und erhält die Kapillarstruktur. Im trockenen Zustand ist der Löß stabil und kann sogar steile Hänge bilden.

Durch diese Eigenschaften ist der Löss sehr fruchtbar.

Die aus Löss entstandenen Böden – in Mitteleuropa Parabraunerden und Braunerden – gehören zu den fruchtbarsten Böden überhaupt.

Nach dem Ende der Eiszeit bildeten sich auch erst die heutigen typischen Saure Braunerdeböden heraus: die Schiefer verwitterten unter dem wärmeren Klima zu den typisch braunen Böden, die sich auch heute noch bilden: lehmiger Schieferboden mit vielen Tonmineralen – durch physikalischen Zerfall, Mineralumbildung, Humusbildung, Verbraunung und Verlehmung. Sie sind sauer und bereichsweise relativ nährstoffreich, wenn der Boden aus frischen, vorher unverwitterten Schiefer hervorgeht.

Abb8Löss kommt hier selten in reiner Form vor. Oft ist der umgelagert und vermischt mit dem sauren Braunerdeböden der Schiefer.

Oder er ist an der Oberfläche entkalkt durch die Niederschläge, die den Kalk auswaschen. Dann wird er zu Lösslehm, der durch die Oxidation der Fe-Verbindungen zudem gelbbraun wird. Er kann auch mit dem Braunerdeboden vermischt sein. Somit variiert der Kalkgehalt der Böden sehr stark hier im Ahrtal und hängt letztlich vom Gehalt an unverwittertem Löss ab.

Man vermutet jedoch, dass der Trüffel mit einem Minimum an Kalk schon gedeihen kann. Dabei sollte der pH-Wert mindestens 7 sein, also eine beginnende Alkalität.

Die Trüffel bevorzugt die Hanglagen, da sich dort keine Staunässe bilden kann. Die recht hohe Sonnenscheindauer gewährleistet nicht nur das Gedeihen eines guten Weines, sondern bildet auch für das Gedeihen der Trüffel eine gute Voraussetzung.

Nach der letzten Eiszeit vor ca. 14.000 a bildete sich in unserer Region auch das typische Klima heraus: ein feuchtgemäßigtes atlantisches Klima, d.h. vom Meer beeinflusstes Klima (warme Winde vom Atlantik) mit milden Wintern und warmen Sommern. (Abb. Klimazonen Europas). Die warmen Luftströmungen, die sich selbst im nördlichen Europa noch auswirken, entstehen überwiegend durch den Golfstrom, der das warme Wasser vom Golf von Mexiko bis zur westlichen Küste von Europa führt. Da sich ein Großteil des Kontinentes innerhalb eines Radius von 500 km zum Atlantik befindet und kein Gebirgszug die Winde aufhält, wird so die kontinentale Landmasse erwärmt. Es ist ständig feucht. Der Trüffel liebt die regelmäßigen Niederschläge, der hier im Ahrtal mit durchschnittlich 600 mm relativ gering ist.

Nach der letzten Eiszeit bildete sich die natürliche Vegetation in unserem humiden-subatlantischen Klimabereich heraus: Eiche, Buche, Hainbuche, Haselnuss, Birken, Linden, Schwarze Kiefer, Obstgehölze u.a. An den Feinwurzeln dieser Bäume gedeiht die heimische Burgundertrüffel Tuber uncinatum besonders gut.

Außerdem liebt sie einen leicht schattigen Standort, so dass leicht bewaldete Gebiete eine gute Voraussetzung bilden.

Zusammenfassung

Natürliche Voraussetzungen für das Gedeihen der (Burgunder-)Trüffel:

  • Eiszeiten: Löß, der sich dem Schieferboden beimengt
  • Subatlantisches Klima
  • Typische mitteleuropäische Vegetation wie Buchen, Eichen, Obstgehölze
truellelimboden
Trüffel im typischen Braunerde-Boden

Nicht, dass Sie aber jetzt denken, jetzt schau ich mir an, wo es Löss gibt und dann finde ich auch Trüffel…Dazu bedarf es immer noch einer guten Spürnase – z.B. der eines Lagottos.

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